Nordwest: Das ist die Schokoladenwindrichtung für weite Flüge von Barssel. Theoretisch lässt sich dann Norddeutschland von unserem Gelände mit dem Gleitschirm durchqueren. Bis zur tschechischen Grenze bei Hof sind es nur 430 km. Irgendwann gelingt vielleicht auch diese Strecke.
Am Sonntag gab es schon zum Frühstück Kumulanten - Dank der Bodenfeuchte und Labilität. Leider hatte mein Flügelmann Marcel eine Muskelverspannung im Nacken und Paul war mit dem ersten Seil auf und davon. Also musste ich allein losfliegen.
Das war auch entspannt möglich, weil alles organisiert war. Mario hatte die Winde bereits startklar, Startleitung war da, Gäste wurden betreut.
Beim zweiten Schlepp drehte Insa gemütlich unter einer Wolke neben dem Platz. Dank 1250 m Schleppstrecke für mich ein einfach zu erreichender Lift. Zunächst gab es WNW WInd, der mich zum Vorhalten nach Süden zwang um den Bremer Luftraum südlich zu umfliegen. Im Süden sollte auch die höhere Basis sein und der Wind auf NNW drehen. Perfekt also.

Mein gutes, altes Garmin hatte allerdings plötzlich keine Lufträume mehr angezeigt. Die Speicherkarte war etwas rausgerutscht und hatte keinen Kotakt mehr. Also schnell noch die ICAO-Backupkarte rausgeholt. Auf dem Flymaster sind die Lufträume nicht so schön übersichtlich dargestellt.

Die ersten Kilometer liefen ganz gut. Auch die langlebigen Wolken zogen wo vermutet und die passenden Aufwindquellen am Boden ließen sich auch zuordnen. In Alhorn wartete dann die erste Verarsche-Wolke auf mich. Dabei sah sie doch erst so gut aus, entwickelte sich aber zum Schattenmonster. Insbesondere dann, wenn man über einem Bahnhof kreist, besteht die Gefahr von Nachlässigkeit. Dann muss man sich das Ziel wieder vor vorstellen. Porta, Hameln, oder gar meine Schwester bei Einbeck? Mühsam suchte ich im Schatten nach etwas Steigen, weil der Flug zum Rand in die Sonne schon zu weit war. Mit etwa 650 m konnte ich dann dem Schatten entgleiten und wieder auf Reiseflughöhe steigen. Von dort konnte ich den 150 km entfernten Brocken sehen. Gleichzeitig den Meißner, den Dümmer See, das Steinhuder Meer und den Teutoburger Wald.

Um möglichst ohne Luftraumschwierigkeiten an Hannover vorbei zu kommen, drehte ich die Frequenz von Bückeburg rein und meldete micht ein paar mal. Andere Piloten auch. Keine Antwort - CTR also nicht aktiv und notfalls könnte ich nun östlich von Minden das Wiehengebirge queren. Aber die Wolken standen direkt über Minden stationär und vom westlichen Stadtrand stieg wie mir schon bekannt ordentlich Warmluft auf. Genau wie 2018 im Super-Sommer.

Im Bergland angekommen wurden die Wolken nun doch etwas seltener. Ebenso die Landemöglichkeiten. Also möglichst konservativ fliegen und schon mal die Orte mit Bahnhöfen im Blick halten. Der nächste war Bad Pyrmont. Leider war die Thermik hinterm Ortsrand nicht stark genug, als dass sie mich bis zur Basis brächte. Der Prallhang vor dem Flugplatz lud aber zum Soaring ein. Um keine Verwirrung zu stiften meldete ich mich noch kurz über Funk an. Der Flugleiter sagte: "Kein Problem, ich bin selbst Gleitschirmflieger". Nach einer Schleife und Winken vorm Tower zog ich die Ohren rein - wollte ja schließlich noch nach Hause an dem Tag. Auf meiner Landewiese harkte ein alter Mann Heu zusammen. Als ich packte sagte er: "So viel Arbeit für so ein bisschen Vergnügen." - Wenn der wüsste... Trotz Eile hatte ich leider den Zug nach Hameln um 3 min verpasst, sodass die erste Etappe der Rückreise mit dem Taxi begann. Die anschließende Zugfahrt mit dem IC war entspannt und flott. Wäre ich die 200 km bis Einbeck gekommen, hätte ich bei meiner Schwester übernachet. Irgendwann gelingt auch das.