Ararat, Aragaz, Ara, Armen, Artak, Artium, ... und böse Zungen sagen Eriwan (oder Yerevan auf Englisch) sollte ursprünglich mal Ariwan heißen, aber dann war es doch etwas zu viel mit den Anfangsbuchstaben Ar, die in Armenien an jeder Ecke wiederzufinden sind. Etwa 50% der Ortsnamen und gefühlt ebenso viele Vornamen folgen dem Schema in jenem putzigen kleinen Land, welches etwa so groß ist wie ein mittleres Bundesland in Deutschland.

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Paul und ich wollten das sehr gebirgige Land einmal erkunden und hatten unsere Reise sorgfältig geplant: September sollte es werden, mit statistisch nur 2 Regentagen im ganzen Monat.

Eingebucht im Hostel Glide, der lokalen Gleitschirmfliegerabsteige, machten wir uns mit L.O.T. ab Amsterdam auf den Weg via Warschau. Direktflüge gibt es leider nicht und ganz billig sind die Flüge zudem nicht.

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Umso ärgerlicher, daß zu einer Stunde Flugverspätung mit Ankunft um 5 Uhr morgens auch noch das Gepäck in Warschau hängen geblieben war. Die Schlange vor dem Lost+Found war ebenso riesig, wie die Gepäckmengen, die die Mitreisenden aufgegeben hatten. Vermutlich hat einfach nicht alles ins Flugzeug gepaßt. Also eine Stunde anstehen für nen Zettel und mal warten, wann das Gepäck am Hostel ankommt.

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36 Stunden später war es so weit. Wir hatten mittlerweile schon die erstaunlich vielseitige Stadt Eriwan erkundet, bei perfektem Wetter und 30°C. Mit Aussicht auf den Berg Ararat von den Kaskaden. Das ist eher selten wegen Luftverschmutzung in der Millionenstadt.

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Eriwan ist in einigen Teilen regelrecht schick und mondän zu nennen, anderswo noch in der Vergangenheit vervangen. Viele Parks, monumentale Statuen und jede Menge Springbrunnen mit nächtlichen Lichtspielen. Abends sehr lebendig mit vielen jungen Leuten. Die Stadt hat uns sehr gut gefallen in ihrer Widersprüchlichkeit!

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Kaum war das Gepäck wieder da, sind wir Fliegen gegangen am Sewansee und schließlich am Berg Gutanasar ordentlich Soaren mit sportlicher Rückwärtslandung kurz vor Sonnenuntergang. Gibt interessante Windsysteme dort. Insgesamt ein sehr netter Einstieg, nur leider wurde das Wetter danach deutlich schlechter.

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Einen Tag haben wir noch zu Besichtigung des Geghard Klosters und des Garni Tempels genutzt bei beginnenden Überentwicklungen. Armenien wird aus gutem Grund auch "Land der Steine" genannt, geschichtsträchtigere Kloster gibt es nirgends! Beeindruckend!

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Definitiv war bei dieser Reise ein klein bischen der Wurm drin, denn wir haben insgesamt 3 Regentage gehabt, bis sich das Wetter schließlich besserte und die Basis von Tag zu Tag wieder anstieg. Dazu kam noch ein verdorbener Magen für mich, der 4 Tage Cola- und Keksdiät erforderte, was mich freilich vom Fliegen nicht abhalten konnte. Nun ja, man kann es nicht immer perfekt treffen.

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In unserer zweiten Woche haben wir uns dann der Truppe von Airtouch unter Führung von Armen Sargsyan als lokalem Guide angeschlossen für insgesamt 5 immer besser werdende Flugtage. Vielen Dank nochmals für die freundliche Aufnahme!

Anfangs sind wir in der Halbwüste bei Wedi in den Bergen geflogen, um der Restfeuchte auszuweichen. Gewaltige, an Bilder aus dem Iran erinnernde Landschaft. Es hat zu einem kleinem XC-Flug in gewaltiger Kulisse gereicht trotz Bewölkung.

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Inklusive Aussicht auf die Ararat Ebene. Überwältigend ist die Gastfreundschaft der Bauern vor Ort. Wir wurden nach der Landung zweimal spontan mit Weintrauben empfangen - und das war nicht arrangiert. Bei uns kommt der Bauer höchstens mit der Mistgabel, wenn wir in seinem Feld landen...

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Später in der Woche sind wir dann doch noch vom Berg Teghenis weiter nördlich ein paar kleinere XC Flüge geflogen. Mit 2800m Höhe ist das ein wahrlich gewaltiger Brocken am Rande der Berge, die an der einen Seite nach Aparan und an der anderen Seite zum Sevansee führen.

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An letzterem See gelang uns ein wahrer Powersoaring-Nachmittag. In ca. 2000m Höhe (am See!) gelegen, ging es hunderte Meter über den Berg. Bei eingelagerten Thermiken um 3 m/s. Armenien kennt viele Interpretationen des Wortes "gewaltig", so viel ist sicher.

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Zwischendurch haben wir noch das Kloster Khor Virap besucht, gelegen kurz vor der Türkischen Grenze und mit direkter Sicht auf den Ararat, jenem heiligen Berg der Armenier, für den das Motto "So nah und doch so fern" wie gemacht ist. Die Historie und Leidensgeschichte des Landes konnten wir im Holocaustdenkmal Zizernakaberd würdigen. Das wird nix mehr mit der Türkisch-Armenischen Freundschaft...

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Schließlich ging es nach 10 Tagen wieder mit L.O.T. via Warschau zurück. Gleich der erste Flug hatte 30 Minuten Verspätung und bei 50 Minuten Umstiegzeit war es das dann für den Anschlußflug. Immerhin hat das "Umbuchen" auf den Nachfolgefluch mit KLM ohne Probleme geklappt.

Unsere Planung in Amsterdam, dann gleich mit zum Soaren nach Egmond zu gehen, war damit natürlich erledigt. So hat uns L.O.T. insgesammt 2 Flugtage gekostet. So sehr wir Armenien weiterempfehlen können, die polnische Airline und insbesondere Umsteigeflüge via Warschau sollte man meiden wie die Pest.

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Fazit: Armenien ist ein wunderschönes Land, noch gefangen zwischen Sowjetcharme und Moderne. Preiswert, unverbraucht und fliegerisch sicherlich ergiebig, wenn man nicht rekordverdächtig schlechtes Wetter erwischt. Auch dann jedoch optisch sehr spektakulär und schön.

Wenn nur die beschwerliche Anreise nicht wäre. L.O.T. ist ein rekursives Akronym und steht für Lot Of Trouble. Laut Auskunft unseres Hostels ist Aeroflot sogar noch schrottiger und verliert in 50% der Flüge Teile des Gepäcks. Die Anreise ist also in jedem Falle schon der Beginn des Abenteuers... und auch die Wahl zwischen Pest und Cholera. Die Armenier gleichen es durch ihre Gastfreundschaft wieder aus!