Preisfrage:

Wo findet man Beide? An unserer Winde? Falsch gedacht!


Auf La Palma, der nordwestlichsten Insel der Kanaren, wurden wir fündig. Nach kurzem Zwischenstopp irgendwo südlich
vom "Ruhrpott" (Zitat Acki) ging es zunächst mit Air Berlin, den Flieger gut vollgestopft und gefühlt wie die Ölsardinen, nach Santa Cruz de La Palma, wo uns eine leichte Calima-Wetterlage, sprich Wind aus der Sahara und warme Temperaturen erwarteten.

Das war ein willkommener Kontrast zum Wetter hier und ideal zum Einfliegen, auch wenn die reichlich stabile Schichtung erstmal nur Abgleiter zuließ. Allerdings Abgleiter mit fantastischer Aussicht über Lavafelder und teilweise bis in die Caldera Taburiente hinein.

So haben wir den Sonntag dann für eine ausgiebige Wanderung im Barranco de la Madera genutzt, einer Route mit wirklich atemberaubenden Aussichten. Hier fanden wir schließlich den erwähnten Dehnbolzen (keine Ahnung, was das wieder ist), den unser Haus- und Hof-Ingenieur natürlich sofort identifizierte und der Anlaß zu so einigen Spekulationen gab.


Offenkundig sind die langen Bewässerungsgräben und Rohre zur Versorgung der Bananenplantagen (La Palma liegt definitiv in Spananien!) doch nicht nur von Hand entstanden, auch wenn wir uns kaum vorstellen konnten, wie man schwere Maschienen in diesem steilen und spektakulären Gelände mit Höhlen und engen Schluchten bewegen konnte.
War doch die Tour schon für unsere Beine eine spürbare Herausforderung mit ihren 700 Höhenmetern.
 
Am nächsten Tage dann passierte es: Nordostwind, unser Fluggebiet voll im Lee! Klasse, endlich richtig lange Fliegen!

Ja spinnen die denn? Die Römer? Nein, unser kleiner lustiger Schweizer, Roger vom Palmaclub, Guide und Herr der Winde erklärte es uns:
S'muß nur das Skew-T Emagram in der richtigen Schräglage liegen, sprich die Inversion auf der richtigen Höhe, schon macht das nix mehr - und es flog tatsächlich so lange man wollte.

Der geneigte Leser ahnt es schon: La Palma ist Föhnfliegen vom Feinsten und zusätzlich zu den schönen und langen Flugtagen gab es so auch noch eine perfekte Lehrstunde in fortgeschrittener Meteorologie. Genau dort fanden wir sie dann : die Kardanwelle, die eigentlich Kármán-Welle heißen will (Zitat: "Hä was? Kardanwelle?????), schön im Lee von seitlich umströmten Hindernissen.

Und Dank unserem Guide Roger sind wir nicht rein geflogen. Genau am Abreisetag - es blieb sowieso keine Zeit mehr zum Fliegen - sahen wir sie dann in Aktion. Unfliegbarer Wind, die Windfahne am Landeplatz dreht im Sekundenabstand um 180° hin- und her bei 40er Böen. Perfektes Timing also: 8 von 9 Tagen geflogen, Paul hat mit 4.5 Stunden Dauerfliegen seinen persönlichen Konditionsrekord gebrochen und wir sind alle hoch zufrieden und um einiges meteorologisches Wissen reicher.
 
P.S.: Zur Nachahmung empfohlen. Allerdings nicht unbedingt in den Alpen. Dort fühlt sich das Fliegen bei Föhn womöglich wirklich wie das Reinsemmeln in eine Kardanwelle an...