Warum fliege ich Wettbewerb? Das frage ich mich manchmal.
Und ich frage mich ob ich auch so weit fliegen würde wie andere Piloten, die in thermisch aktiveren Geländen fliegen als sie Ostfriesland bietet. Mit dem Wettbewerb kann ich diese Fragen beantworten. Alle starten vom gleichen Gelände am gleichen Tag und fliegen die gleiche Route, anders als beim XC-Wettbewerb. Es gibt sogar eine Standardklasse mit einer Streckungsbegrenzung auf 6.5, sodass der Faktor Schirm weniger eine Rolle spielt.
Kurzfristig hatte sich Andreas Malecki angemeldet, der mit anderen Enzopiloten in das Taskkommitee "gewählt" wurde. Klar, dass dann die nominal Distance 60 km immer voll ausgereizt wird und auch geschlossene Aufgaben gesetzt werden.
Das Wetter war leider sehr labil. Mit einem derart großen Pilotenfeld im Flachland wird ein größeres Wetterfenster benötigt. Allein bis jeder einmal gestartet ist, vergehen 1h 20 min.
Der erste Task am Montag sollte ein 65 km Dreieck werden. Ich war relativ weit hinten in der Startreihenfolge, sodass ich die Schauerbildung vom Boden beobachten konnte. Ich entschied mich zurück setzten zu lassen. Dann ging alles ganz schnell und die Windenfahrer wurden pitsch nass.
GF 2019 01 m13
(Bild von Markus Henninger)
 
Der Task wurde gecancelt. Etliche Piloten waren bereits auf Strecke und hatten Mühe vor der saugenden Überentwicklung weg zu fliegen. Es sind aber alle gut gelandet.
Task 2 sollte 50 km one way nach Luckau gehen. Es waren labile Bedingungen, jedoch war ich zu nervös als ich aus dem Exit Zylinder rausflog.
GF 2019 02 m
Hinter mir ein kleiner Pulk. Ich wollte den Abstand halten. Hatte zu früh Gas gegeben und stand nach 15 km am Boden. Eigentlich sollte man seinen XC-Flugstil beibehalten. Wenn es dann gut läuft, kann man am Ende immer noch Gas geben. Wichtig ist ins Ziel zu kommen. Auf dem Fußmarsch hatte ich einige Zeit über meinen taktischen Fehler nachzudenken...
30 Piloten waren im Ziel. Peter Hürlimann (ein Schweizer im Flachland!) und Maurice Knur flogen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 50 km/h diese Aufgabe.
Der Mittwoch stand ganz im Zeichen des Regens. Den Nachmittag konnten wir immerhin zur Einweisung in die Abrollwindentechnik nutzen bevor es wieder donnerte.
 
Task 3 am Donnerstag ging wieder Richtung Osten über einen Wegpunkt in Dahme nach Doberlug-Kirchhain (60 km). Diesmal gab es wieder Schauerbildung. Am Platz wurde der Schleppbetrieb unterbrochen. Da war ich schon auf Strecke.
GF 2019 03 m
Die ausfließende Kaltluft hob die Warmluft darüber an, sodass ich mit vielen anderen Piloten gut im Geradeausflug voran kam. Dadurch konnte ich die Münsterländer Piloten Gang wieder einholen, die mir anfangs davongeflogen waren.
GF 2019 04 m
Jede Cumulus Wolke, die ich anflog wurde von der Schauerwolke hinter mir einverleibt. Am Boden beobachtete ich wie die Windparks durch die Kaltluft ordentlich aktiv wurden. Zum Glück ging es in Dahme 45° nach Süden, sodass wir von der Schauerzugrichtung quer wegflogen.
GF 2019 05 m
Es erreichten > 20 Piloten das Ziel. Am Boden haben uns nur noch ein paar Tropfen erwischt.
GF 2019 06 m
Am Ende landete ich auf Platz 18 in der Gesamtwertung und Platz 6 in der Standardklasse. Noch vor einigen Piloten, die sonst im Flachland deutlich höher Punkten als ich. Damit habe ich mein persönliches Ziel erreicht.
Dass Andreas Malecki auf Platz 1 landete versteht sich aber von selbst. Der Schweizer Peter auf Platz 2.
Fest steht: ich möchte gerne wieder bei den Flatlands mitfliegen. René