Kaum zu glauben, aber mit jedem Sommertag wird das Streckenpotential in Ostfriesland größer. Liegt es an den trockenen Böden oder an den geübteren Piloten? Wir wissen es nicht genau.

Wir wissen aber, dass wir jeden Tag nutzen sollten. Deshalb standen wir gestern in Barssel und losten die Windenfahrer aus. Paul zog den kürzeren und musste zuerst ran. Mit dem ersten Seil waren jeweils Alex und Marcel verschwunden. Ich, René, wurde auch direkt in den Barssel-Hausbart geschleppt. Nach ein paar Kurbeleien war ich bei Marcel unter den ersten Flusen des Tages und Alex bereits wieder am Boden.

Marcel entschied noch ein bisschen in Platznähe zu bleiben bis sich die Thermik verbessert. Weise Entscheidung. Mit jedem Bart ging es 50 m höher. Der Wind war aber doch stärker als prognostiziert und ließ keine geschlossene Aufgabe zu. Mit gut 1000 m Basis flogen wir Richtung Marinesender ab.

Daneben und über dem Emslandring fanden wir immer wieder gutes Steigen.

Wir konnten gut gegen den Ostwind vorhalten. Ich verlangte, dass wir so weit wie möglich in Deutschland Richtung Süden vorfliegen, bevor wir in Holland einfliegen. Nur die deutschen XC Punkte zählen für die Flachlandwertung, komisch.


Über Dörpen kreiste ein Hochleistungssegler mit uns. Die müssen mit ihrem Kurvenradius immer durch den Randbereich der Thermik. Dessen Tragflächen verbogen sich immer wieder recht ordentlich während wir von Innen zuschauten.
Auf Höhe von Haren flogen wir nach Holland ein. In Emmen steht der Bart übrigens immer am Westende, über dem Vergnügungspark.

Zwischendurch hörte ich von Paul einen Funkspruch, dass er ebenfalls die Ems überquert hat. Doch dazu schreibt er vielleicht später. Gestern hat er es jedenfalls nicht mehr zurück geschafft...

In Holland schepperte es manchmal ordentlich in der Kappe. Gerade unterhalb der Basis ging es manchmal zur Sache. Aber wir fliegen aktiv und wissen, wann wir weiter müssen. Beim Gleiten fliegen wir 200 m nebeneinander. Jeder findet mal einen Bart. Toll ist, dass wir echt über fast die ganze Strecke kaum 200 m auseinander sind.

 

Hoogeveen betrachten wir aus 1700 m Höhe. Alles scheint so klein da unten. Da sind wir schon über 4 h in der Luft. Ich frage Marcel nach seiner Motivation. Er will nach Zwolle. Super! Am Horizont sehen wir das IJsselmeer. Links daneben Zwolle. Dahinter brennt die Heide.

Jetzt sehen wir am Qualm warum die Wolken nicht da zogen wo wir vermuteten. Oben an der Inversion haben wir Westwind. Er verbläst die Thermik und lässt sie rotieren.

Bei Meppel drehen wir nochmal in schwacher Thermik, weil wir tief waren. Also relativ: 700m. Fünfhundert Meter unter uns dreht ein Storch. Also geduldig warten bis der bei uns ist. Die Viecher picken sich nur die besten Thermiken heraus. Als der Storch an Marcel vorbeisteigt, wechsle ich in den fast 4 Meter Bart. Marcel wechselt zu spät und blubbert weiter rum. Er muss sich mit letzter Kondition mühevoll in schwachen Blasen retten und schaft es tatsächlich nach Zwolle. Ich gleite noch über die Stadt und lande auf der anderen Seite. Nach über sechs Stunden wird das aber auch mal Zeit.
Zum Bahnhof habe ich es kürzer als Marcel.


Nach Dauerlauf zum Bahnhof musste ich feststellen, dass hier kein Zug fährt - Gleise werden erneuert. Da kreuzt Marcel auf (mein Dolmentscher) und zeigt mir den richtigen Bus. Er selbst nahm natürlich auch einen zum Bahnhof.
In der anschließenden Bahn fahre ich ohne Ticket. Die Umsteigezeit war mir zu knapp zum Erwerb - der Automat zu kompliziert. Die Zugbegleiterin sagt, ich soll nach der Fahrt in Groningen lösen, bei ihr wäre das Ticket 50€ teurer. So nette Leute wohnen in Holland - das habe ich wiederholt erfahren!

Nach 22 Uhr holt mich Frank am Bahnhof ab und fährt mich zum Flugplatz. Das ist Streckenfliegen bei PGNW!